
Vor mehr als einem Jahr haben wir uns auf eine Reise begeben — im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Mit der Unterstützung des Erasmus+-Programms haben wir das Projekt „Community Building quer durch Europa“ durchgeführt, das unserer Organisation neue Erfahrungen, Freundschaften und Kooperationen gebracht hat, die weit über das Projekt selbst hinausreichen. Das Projekt lief über die tschechische Nationalagentur Dům zahraniční spolupráce von September 2024 bis Februar 2026. Heute teilen wir unsere Rückschau mit Ihnen.
Was wir uns vorgenommen hatten
Die Mission von Community Building CZ ist es, die von Scott M. Peck entwickelte Community-Building-Methode zu verbreiten — eine einzigartige erlebnisorientierte Herangehensweise, die Menschen dabei hilft, selbst in einer Gruppe von Fremden mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, Barrieren in der authentischen Kommunikation aufzudecken und ein Umfeld tiefen gegenseitigen Respekts, Sicherheit und Akzeptanz zu schaffen — und das innerhalb von nur wenigen Tagen. Obwohl die Methode in der Tschechischen Republik seit 2005 vertreten ist, ist sie noch immer relativ unbekannt und wenig verbreitet — einer der Hauptgründe dafür ist der Mangel an erfahrenen Facilitatoren und Organisatoren.
Genau das wollten wir mit diesem Erasmus+-Projekt ändern. Ziel war es, unseren Facilitatoren und Organisatoren zu ermöglichen, unverzichtbare Erfahrungen im Ausland zu sammeln — in Umgebungen, die sich kulturell, sprachlich und sozial von denen unterscheiden, in denen sie zu Hause arbeiten.
Was wir erlebt haben: 14 Mobilitäten in 5 Ländern
Im Verlauf des Projekts haben wir 14 Mobilitäten in fünf Ländern durchgeführt. Jede Reise war anders — eine andere Umgebung, eine andere Zielgruppe, andere Herausforderungen und andere Inspirationen.
Frankreich — CB für eine lokale Gemeinschaft
Eine der wirkungsvollsten Reisen des gesamten Projekts. Zwei erfahrene Facilitatorinnen reisten in die Dordogne, wo sie erstmals ein Community-Building-Seminar für französische Teilnehmende leiteten. Das Seminar richtete sich an die lokale Bevölkerung aus einem Tal in der Nähe von Les Eyzies — 30 Teilnehmende aus der örtlichen Gemeinschaft. Die CB-Methode ist in Frankreich so gut wie unbekannt, was diese Reise zu einer Pionierleistung machte — für unsere Facilitatorinnen ebenso wie für die Gastorganisation. Gerade hier zeigt sich die eigentliche Stärke von CB: die Fähigkeit, innerhalb weniger Tage tiefe Verbindungen zu schaffen — sowohl unter Menschen, die sich noch nie begegnet sind, als auch unter solchen, die sich seit Jahren kennen und langjährige Spannungen oder Konflikte miteinander tragen. Die Reise bestätigte, dass die CB-Methode das Potenzial hat, völlig neue Umgebungen und Gemeinschaften zu erreichen, und dass sie sprachliche wie kulturelle Unterschiede überbrücken kann.
Lettland — Eintreten in die eigene Kraft
Unsere Facilitatorin leitete ein CB-Seminar auf dem Gelände eines ehemaligen Universitätscampus in Riga — eine der anspruchsvollsten Umgebungen, mit denen sie in CB jemals konfrontiert war. Das Team stand vor erheblichen internen Konflikten, und das gesamte Seminar erforderte außergewöhnliche Belastbarkeit und den Mut, vollständig in die eigene Facilitatoren-Kraft einzutreten. Dennoch — oder gerade deshalb — war das Seminar ein Erfolg und weckte bei lettischen Teilnehmenden Interesse an einer Facilitatorenausbildung.
Die wichtigste Erkenntnis: Der direkte und offene Kommunikationsstil nordeuropäischer Teilnehmender war sowohl inspirierend als auch herausfordernd. Die Erfahrung bestätigte, wie wichtig es ist, sorgfältig auszuwählen, wer in die Facilitatorenausbildung aufgenommen wird — Teamdynamiken haben einen grundlegenden Einfluss auf den gesamten Seminarverlauf.
Polen — Wo CB auf Permakultur traf
Ein ungeplanter, aber umso wertvollerer Halt. Wir knüpften eine Zusammenarbeit mit Leszek Frankiewicz — einem Permakultur-Designer — und seiner Frau Joanna, einer Therapeutin. Es eröffnete sich uns eine Welt bemerkenswerter Möglichkeiten, wie Permakultur und CB einander ergänzen und bereichern. Gemeinsam diskutierten wir eine langfristige Vision: wie CB nachhaltig verbreitet werden kann, wie die Methode mit ökologischem Denken verbunden werden kann und wie über intentionale Gemeinschaften nachgedacht werden kann. Die Reise war so inspirierend, dass wir heute mehrere gemeinsame CB-Seminare für die Öffentlichkeit planen. Diese Partnerschaft gehört zu den größten Geschenken des gesamten Projekts.
Joanna hat etwas Wichtiges auf den Punkt gebracht: Wenn in CB eine tiefe persönliche Verbindung entsteht, ist das für Menschen mit Traumaerfahrungen außerordentlich heilsam — wenn die Verbindung jedoch nicht gelingt, kann es sehr schwierig werden. Dieser Gedanke inspiriert uns, weiter darüber nachzudenken, für welche Zielgruppen und unter welchen Bedingungen CB am wirkungsvollsten ist.
Slowakei — CB und Internal Family Systems: Zwei Ansätze verbinden sich
In der Slowakei nahm einer unserer Mitarbeitenden als Teilnehmer an einem Seminar teil — einem Seminar, das besonders war, weil es die Community-Building-Methode mit dem Ansatz des Internal Family Systems (IFS) verband. IFS ist ein therapeutisches Modell, das mit den verschiedenen inneren Anteilen unserer Persönlichkeit arbeitet — Stimmen, Überzeugungen und Mustern, die uns beeinflussen, ohne dass wir uns dessen vollständig bewusst sind. Die Verbindung beider Ansätze zeigte interessante Synergien: CB schafft einen sicheren Gruppenraum, in dem diese inneren Anteile auf natürliche Weise an die Oberfläche treten und von anderen ohne Verurteilung aufgenommen werden können. Die Erfahrung inspiriert uns, weiter darüber nachzudenken, wie CB mit Erkenntnissen aus verwandten Bereichen bereichert werden kann und wie sie Menschen angeboten werden kann, die an ihrer inneren Entwicklung arbeiten.
Deutschland — Unsichtbare Facilitation und die Frage der Sicherheit
Zwei weitere unserer Teilnehmenden besuchten ein Seminar, das von erfahrenen Senior-Facilitatoren des Ammersee-Instituts für Communitybuilding im bayerischen Alpenvorland geleitet wurde. Ihr Facilitationsstil war inspirierend: minimale sichtbare Interventionen im Kreis, dafür aber individuelle Gespräche mit Teilnehmenden in den Pausen. Ihre Facilitation war für die Gruppe nahezu unsichtbar — und dennoch sehr wirkungsvoll.
Diese Erfahrung warf eine faszinierende Frage auf: Wo liegt die Grenze zwischen dem Schaffen eines sicheren Raums und dem Einschränken von Möglichkeiten zum gemeinsamen Lernen? Das Seminar zeigte, wie stark das kulturelle Umfeld die Gruppendynamik prägt — die deutsche Gruppe zeigte eine hohe Sensibilität für Sicherheit und Vorsicht, die den Gesamtcharakter des Treffens anders formte, als wir es aus dem tschechischen Umfeld gewohnt waren.
Ungarn — Die Intimität einer kleinen Gruppe
In Ungarn fand ein Frauen-Retreat statt — ursprünglich für eine größere Gruppe geplant, fand er letztlich mit fünf Teilnehmerinnen statt. Das intime Setting ermöglichte ein tiefes Teilen zu Themen wie Privilegien, Bildung und Zugehörigkeit — und bestätigte, dass CB auch in einem so kleinen Format funktioniert.
Die Reise brachte auch eine praktische Erkenntnis zum Thema Dolmetschen: Die Qualität der Dolmetscherin bzw. des Dolmetschers beeinflusst den Seminarverlauf erheblich. Eine Dolmetschperson, die durchgehend voll präsent und professionell bleibt, ermöglicht den Facilitatorinnen, mit viel größerer Freiheit zu arbeiten. Eine Dolmetschperson hingegen, die die Konzentration verliert, kann die Gruppendynamik in sensiblen Momenten stören.
Slowakei und Deutschland — Eingeladene Expertinnen und Experten in Tschechien
Ein slowakischer Senior-Facilitator sowie deutsche Senior-Facilitatorinnen kamen außerdem als eingeladene Expertinnen und Experten direkt in die Tschechische Republik, wo sie gemeinsam mit unseren Facilitatoren Seminare für das tschechische Publikum vorbereiteten und durchführten.
Das Seminar mit Karol Herian war in vielerlei Hinsicht ein reguläres CB-Seminar, brachte jedoch eine wichtige Bestätigung: Die Qualität des Facilitatorenteams — ihr gemeinsamer Prozess vor, während und nach dem Seminar — ist entscheidend für das Ergebnis. Eine starke Beziehung zwischen Facilitatoren prägt direkt die Qualität des Raums, den sie für Teilnehmende schaffen können. Die tschechischen Teilnehmenden wurden durch die außergewöhnliche Qualität des Teams sehr bereichert.
Das Seminar mit Simone Kosog und Alex Wiedemann war besonders interessant durch die vielen feinen Nuancen ihres Facilitationsstils — bereichernd sowohl für unsere tschechische Facilitatorenkollegin als auch für Teilnehmende aus Tschechien und dem Ausland.
Was das Projekt uns gebracht hat
Für die Facilitatoren: Jede teilnehmende Person hat ihre Erfahrungen in der Arbeit in verschiedenen kulturellen, sprachlichen und sozialen Umgebungen erweitert. Wir sind einer breiten Palette von Facilitationsstilen und -philosophien begegnet — von unsichtbarer Facilitation über die Arbeit mit Traumaerfahrungen bis hin zu strategischen Ansätzen zur Verbreitung der Methode. Alle haben eine individuelle Lernreflexion abgeschlossen und ein Zertifikat erhalten. Das Feedback aus den standardisierten Erasmus+-Teilnehmendenberichten spricht eine klare Sprache: 100 % der Teilnehmenden bewerteten ihre Mobilität als bereichernd, 100 % berichteten von verbesserten praktischen Fähigkeiten und einem vertieften Verständnis für Vielfalt in der Gesellschaft.
Für die Organisation: Wir haben ein stärkeres Team erfahrener Facilitatoren, das bereit ist, neue Zielgruppen zu erreichen — von Glaubensgemeinschaften über ökologische Bewegungen, Frauen-Retreats bis hin zu sozialen Einrichtungen. Wir haben Partnerschaften mit Organisationen in fünf europäischen Ländern aufgebaut oder vertieft.
Für die Öffentlichkeit: Das Projekt hat uns viel Freude und große Motivation für neue Arbeit und neue Möglichkeiten gebracht. Seine Ergebnisse spiegeln sich direkt in dem wider, was wir Ihnen jetzt anbieten können. Wir planen bereits weitere Seminare — an neuen Orten, für neue Gruppen, mit Facilitatoren, die Erfahrungen aus ganz Europa mitbringen. Das öffentliche Interesse an der CB-Methode wächst, und wir sind bereit, ihm entgegenzukommen.
Was vor uns liegt
Diese Erasmus+-Erfahrung hat uns überzeugt, dass internationale Zusammenarbeit für die Entwicklung der CB-Methode unersetzlich ist. Deshalb haben wir einen Antrag auf ein Folgeprojekt im Rahmen von Erasmus+ gestellt, das im September 2026 beginnen könnte. Wir warten nun auf das Ergebnis — die Daumen sind gedrückt. Wir hoffen, unsere internationale Zusammenarbeit fortzusetzen und Ihnen immer hochwertigere CB-Seminare sowohl in Tschechien als auch im Ausland anzubieten.
Dieses Projekt wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Erasmus+-Programms kofinanziert.
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